Welpenfutter-Etiketten richtig lesen
6 Quellen · davon 1 unabhängig · gegengeprüft
Verbindlich ist, was auf dem Etikett stehen MUSS – der Werbetext auf der Vorderseite gehört nicht dazu. Die gute Nachricht: Die Regeln dahinter sind lernbar. Hier sind sie, mit Fundstelle – samt der Feinheiten, die völlig legal sind und trotzdem leicht falsch gelesen werden.
Die Zusammensetzung: Reihenfolge ist Vorschrift
Quellen dieses Abschnitts: Branchenverband + Herstellerangabe + unabhängig
Die Zusammensetzung muss die Einzelfuttermittel in absteigender Reihenfolge ihres Gewichtsanteils nennen – so schreibt es die VO (EG) Nr. 767/2009 in Artikel 17 Absatz 1 Buchstabe e vor. Eine Prozentangabe je Zutat ist dort freigestellt. Zwei legale Feinheiten relativieren die Reihenfolge. Erstens gilt laut Branchencode das Mischschüssel-Prinzip: Gewogen wird, was in die Mischung gegeben wird. Konzentrierte oder getrocknete Zutaten werden in ihrer konzentrierten Form einsortiert, frische mit ihrem vollen Wassergewicht – dieselbe Rohware steht frisch deshalb weiter vorn in der Liste als getrocknet. Zweitens kann dieselbe Pflanze in mehreren Zutaten auftauchen: Bei WOLFSBLUT Wild Duck Puppy stehen zwei Erbsen-Zutaten getrennt in der Liste – Erbsen an 4. und Erbsenfasern an 9. Position, beide ohne Prozentangabe. Was das für die Getreidefrei-Frage bedeutet, zeigt unsere Getreidefrei-Weiche an echten Deklarationen.
Offen oder geschlossen: zwei zulässige Deklarationsarten
Quellen dieses Abschnitts: Branchenverband + Herstellerangabe + unabhängig
Kategorienamen statt einzelner Zutaten – etwa Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse – sind nach Artikel 17 Absatz 2 Buchstabe c ausdrücklich erlaubt; die Verordnung eröffnet diese Möglichkeit selbst. Der Branchencode gibt die Definition dieser Sammelkategorie wieder: alle fleischigen Teile geschlachteter warmblütiger Landtiere sowie alle Erzeugnisse und Nebenerzeugnisse aus der Verarbeitung ihrer Schlachtkörper. Als gute Praxis hält derselbe Code fest, konsequent bei einer der beiden Deklarationsarten zu bleiben, statt sie zu mischen – mit zwei Ausnahmen: bei einer besonders hervorgehobenen Zutat und bei einer Zutat, die zu keiner Kategorie gehört. Was das praktisch heißt, zeigen unsere Prüfungen: Josera Mini Junior Duck & Salmon deklariert getrocknetes Geflügelprotein – die Tierart bleibt offen, Huhn ist nicht ausgeschlossen. Für die Suche nach klar deklarierten Alternativen: unsere Ohne-Huhn-Seite.
„Mit Huhn“, „reich an“, „Menü“: Zahlen im Namen und ihre Bezugsgrößen
Quellen dieses Abschnitts: Branchenverband + Herstellerangabe + unabhängig
Wird eine Zutat auf der Verpackung durch Worte, Bilder oder Grafiken besonders hervorgehoben, müssen ihre Bezeichnung UND ihr Gewichtsprozentsatz angegeben werden – Artikel 17 Absatz 2 Buchstabe a. Der Branchencode staffelt werbliche Namensformen zusätzlich nach Mindestanteilen: „aromatisiert mit X“ heißt mehr als 0, aber weniger als 4 Prozent, „mit X“ mindestens 4 Prozent, „reich an X“ mindestens 14 Prozent, „X-Menü“ mindestens 26 Prozent. Diese Schwellen sind Selbstverpflichtung der Branche und stehen nicht als Prozentwerte im Verordnungstext. Die größte Falle ist aber die Bezugsgröße einer Prozentzahl: Josera Kids deklariert getrocknetes Geflügelprotein mit 27,5 Prozent, davon Huhn 40 Prozent – die 40 Prozent sind also 40 Prozent VOM Geflügelprotein, rechnerisch rund 11 Prozent der Gesamtrezeptur. Und Belcandos 75 Prozent tierisches Eiweiß beziehen sich auf das Gesamteiweiß, nicht auf die Rezeptur. Beide Angaben stehen so auf der Verpackung – man muss nur lesen, worauf sie sich beziehen.
Alleinfuttermittel und die Pflicht-Analysen
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Alleinfuttermittel heißt rechtlich: Das Futter reicht wegen seiner Zusammensetzung allein für die tägliche Ration. Eine bestimmte Zutatenliste schreibt die Definition nicht vor. Bei Alleinfuttermitteln für Hunde sind genau vier analytische Bestandteile Pflicht: Rohprotein, Rohfaser, Rohfett und Rohasche. Calcium und Phosphor stehen nicht auf dieser Pflichtliste – sie dürfen freiwillig angegeben werden. Ein Etikett ohne Calcium- und Phosphorwert verstößt damit nicht gegen die Kennzeichnungspflicht. In unserer Vergleichstabelle sind beide Werte für alle zehn geprüften Produkte aufgeführt – jeder mit eigener Beleg-Kennung.
Rechtstexte sind hier verkürzt wiedergegeben; maßgeblich ist der Wortlaut der verlinkten Verordnungs- bzw. Code-Fassung. Der Branchencode ist eine Selbstverpflichtung der Heimtierfutter-Industrie, kein Gesetzestext. Das ist Deklarations-Lesehilfe, keine Rechtsberatung.